Thrombosen bei Katzen. U. a.: Das Kippfenster-Syndrom.

Das Kippfenster-Syndrom. Die oft unterschätzte Gefahr. Bei einer Thrombose handelt es sich immer um einen dringenden Notfall. Wird die Katze nicht schnell behandelt, hat das immer tödliche Folgen.

 

Was ist ein Thrombus?

Unter einem Thrombus versteht man ein Blutgerinnsel, das ein Blutgefäß teilweise oder vollständig verschließt. Bei der Aortenthrombose befindet sich das Gerinnsel in der Hauptschlagader. Der Thrombus sitzt am häufigsten im Bauchteil der Aorta. Seltener kommen Aortenthrombosen im Brustbereich vor. Durch den Thrombus wird die Blutzufuhr zu den Hinterextremitäten vollständig unterbrochen.
90 % der Thrombosen der Katzen sind in der Aorta lokalisiert. Venenthrombosen treten nur selten auf. Häufiger sind Thrombosen der Nierenarterien, des Darms, der Lunge und des Gehirns.

 

Ursachen für Aortenthrombosen

  • Kippfenster-Syndrom: die Katze steckt in dem Spalt eines gekippten Fensters fest. Durch ruckartige Bewegungen rutscht sie immer weiter nach unten. Blutgefäße werden abgedrückt.
  • Herzerkrankungen: durch Entzündungen des Herzmuskels können sich die Vorhöfe ausweiten. In dem Blutstrom bilden sich Wirbel, die die Entstehung von Thromben begünstigen. Zusammengeklumpte Ablagerungen werden durch die Herzkontraktion in die Gefäße gedrückt.
  • Tumore im Herz oder Blutgefäßsystem
  • Infektionen mit Viren oder Bakterien, die die Gefäßwände schädigen.
 

Welche Symptome treten bei einer Thrombose auf?

Bei einer Thrombose wird das betroffene Gewebe nicht mehr durchblutet. Durch den Sauerstoffmangel sterben die Zellen ab.

1. Aortenthrombose

Bei einem vollständigen Verschluss der Aorta werden die Hinterbeine der Katze nicht mehr durchblutet. Die Nerven und Muskeln dieser Region werden nicht mehr genügend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Die Hinterextremitäten sind kalt, die Ballen der Pfoten blau verfärbt. Ein Puls ist an der Arteria femoralis nicht mehr wahrnehmbar. Die Hinterbeine sind plötzlich gelähmt. Die Katzen haben starke Schmerzen und schreien. Die Reflexe (Patellarreflex, Flexorreflex) sind ausgefallen oder hochgradig verringert. Die Atemfrequenz ist erhöht. Der Herzschlag ist beschleunigt, eventuell treten Herzrhythmusstörungen auf. Durch den Verschluss der Aorta kann das Blut nicht mehr ausreichend aus dem Herzen abfließen. Der Rückstau führt zu einem Lungenödem (Flüssigkeitsansammlung in der Lunge).
Liegt die Aortenthrombose im vorderen Bereich, kann ein Thrombus die Gefäße der Vordergliedmaße verschließen. Das vordere Bein ist kühl und gelähmt. Es treten ebenfalls starke Schmerzen auf.

2. Nierenthrombose

Werden die kleinen Nierenarterien durch ein Blutgerinnsel verschlossen, stirbt das von ihnen versorgte Gewebe ab. Es entsteht ein ischämischer Infarkt (weißer Infarkt). Das abgestorbene Nierengewebe wird durch kollagenes Bindegewebe ersetzt. Einzelne Infarkte haben keinen Einfluss auf die Nierenfunktion. Sie sind meistens ein Zufallsbefund. Treten die Niereninfarkte gehäuft auf, wird immer mehr Nierengewebe zerstört. Die Niere kann die Schadstoffe und die Flüssigkeit nicht mehr aus dem Harn filtern. Sind mehr als 70 % der Niere zerstört, liegt eine chronische Niereninsuffizienz vor. Die Katzen trinken vermehrt. Die Futteraufnahme ist verringert. Die Tiere magern ab, das Fell ist struppig. Häufig tritt Erbrechen auf.

3. Darmthrombose

Eine Darmthrombose entsteht durch einen Verschluss der Blutgefäße im Gekröse oder in der Darmwand. Die betroffenen Darmteile werden nicht mehr mit Blut versorgt und sterben ab. Darmthrombosen sind sehr schmerzhaft. Die nicht mehr durchbluteten Darmteile verfärben sich dunkel. Der Transport des Nahrungsbreis ist gestört. Gelangen Bestandteile aus dem Darminneren in die Bauchhöhle, entsteht eine Peritonitis (Entzündung des Bauchfells).

 

Wie wird eine Thrombose diagnostiziert?

Bei der klinischen Untersuchung entsteht aufgrund der charakteristischen Symptome der Verdacht auf eine Thrombose. Um den Thrombus zu lokalisieren, wird eine Ultraschalluntersuchung oder eine Magnetresonanz-Tomografie durchgeführt. Eventuell müssen die Gefäße mithilfe von Kontrastmitteln dargestellt werden.

 

Wie wird eine Thrombose behandelt?

Darmthrombosen müssen sofort chirurgisch behoben werden. Die nicht mehr durchbluteten Darmteile werden entfernt und die gesunden Darmstücke durch Anastomosen (zwei offene Darmenden werden durch Nähte verbunden) wieder zusammengenäht.
Nierenthrombosen verlaufen meistens ohne Symptome. Liegt bereits eine Funktionsstörung der Niere vor, benötigt die Katze Infusionen mit Elektrolytlösungen und Medikamente, die die Nierentätigkeit anregen.
Ist bei einer Aortenthrombose das Gefäß nur teilweise verschlossen, wird versucht, den Thrombus aufzulösen. Die Katze erhält Streptokinase und einen Plasminogen-Aktivator. Durch Heparin wird die Bildung weiterer Thromben verhindert. Elektrolytlösungen stützen den Kreislauf. Zusätzlich werden Schmerzmittel verabreicht.
Gleichzeitig muss eine Therapie der Herzerkrankung durchgeführt werden.
Damit die Katzen nicht an den gelähmten Hinterextremitäten nagen, wird ihnen ein Halskragen angelegt. Die Blutzirkulation in den Hinterbeinen wird durch Massagen und Wärme angeregt.
Bei einem vollständigen Verschluss der Aorta kann versucht werden, das Blutgerinnsel durch einen chirurgischen Eingriff zu entfernen.
Gelingt es nicht innerhalb weniger Stunden bis Tage die Durchblutung wiederherzustellen, muss die Katze euthanasiert werden. Für diese Entscheidung ist immer der Tierschutz und das Wohl des Individuums ausschlaggebend. Vor allem bei besonders starken Schmerzen, die durch Schmerzmittel nicht gemildert werden können, sollte die Katze von ihrem Leiden erlöst werden.

 

Wie ist die Prognose bei einer Aortenthrombose?

Die Prognose ist immer sehr ungünstig. Bis zu 70 % der Katzen überleben die Erkrankung nicht. Kann das Blutgerinnsel durch die Behandlung aufgelöst werden, bleiben häufig Schädigungen der betroffenen Nerven zurück. Die Katzen leiden unter Bewegungsstörungen. Teilweise bilden sich die Lähmungen nicht mehr zurück.
Obwohl die Katze für den Rest ihres Lebens Medikamente, die die Blutgerinnung senken, einnehmen muss, treten bei 50 % der überlebenden Katzen nach kurzer Zeit wieder Aortenthrombosen auf.

 

Wie kann einer Aortenthrombose vorgebeugt werden?

Eine aktive Vorbeugung ist nicht möglich. Fenster sollten immer vollständig geöffnet und nicht gekippt werden. Die Absicherung kann durch ein Fenstergitter oder ein Katzenschutznetz erfolgen.
Durch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen werden Erkrankungen des Herzens frühzeitig diagnostiziert. Medikamente unterstützen die Herzfunktion und senken das Risiko für die Entstehung von Thromben.

 

Muss eine Katze mit einer Thrombose von einem Tierarzt behandelt werden?

Aortenthrombosen und Darmthrombosen verlaufen ohne entsprechende Behandlung immer tödlich. Besteht durch gelähmte und kalte Extremitäten der Verdacht auf einen Gefäßverschluss, muss die Katze immer sofort zu einem Tierarzt gebracht werden. Nur eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung ermöglicht eine geringe Chance auf Heilung.
Aortenthrombosen sind immer akute, lebensbedrohliche Notfälle.



Die Autorin:
Dr. med. vet. Andrea Triebl ist Tierärztin und hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. Seit August 2019 schreibt sie für den tierischen Blog auf www.geliebtes-tier.de
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