09. April 2019 - Wildtierfreundlicher Frühjahrsgarten

Ein schöner Besuch im Garten - das Eichhörnchen. Tulpen, Krokusse, und Märzenbecher fangen in heimischen Gärten langsam an ihre Blätter und Blüten aus der Erde zu recken. Das weckt auch die Heimgärtner in uns. Wer bei der Gartengestaltung ein wenig kompromissbereit ist und von Anfang an tierfreundlich plant, der kann sich im Laufe des Jahres vielleicht nicht nur über wunderschöne Blumen zum anschauen, sondern auch den ein oder anderen wilden Besucher freuen.
 

Tierfreundlich ist weder betoniert noch gepflastert


Das erste große Problem von Wildtieren, seien es die schützenswerten Bienen, die Igel in Herbst und Winter oder auch Vögel auf Nahrungssuche, sind gut gepflegte Gärten, deren große Flächen betoniert, gepflastert oder mit Kieseln ausgelegt sind. Das mag zwar verglichen mit einer Rasenfläche sehr pflegeleicht sein und das ganze Jahr über gut aussehen. Solche Flächen haben aber einen entscheidenden Nachteil: sie bieten Wildtieren weder Verstecke noch Nahrung. Hier finden Bienen und andere Insekten keine Blüten und hier finden Vögel keine Würmer oder Insekten.

Wildtierfreundliche Flächen sind nicht auf den Millimeter genau geschnitten, sie sind wahrscheinlich auch nicht immer zu 100 % sauber. Hier liegt etwas Laub auf dem Boden, vielleicht auch ein bisschen Fallobst auf der Wiese und der Rasen schafft es auch einmal zur Blüte zu kommen und wird nicht dauerhaft auf einer Länge von 2,7 mm kurz gehalten. Das ist bei vielen Menschen nicht vereinbar mit einem gepflegten Garten. Das hat aber den Vorteil, dass solche Flächen Unterschlupf und Nahrung bieten.
 

Wen will ich in meinen Garten einladen und wer soll lieber draußen bleiben?


Das ein oder andere Tier ist sehr beliebt in heimischen Gärten, andere tierische Besucher wollen viele Gartenliebhaber nicht zu Besuch haben. Bei der Selektion sollte man allerdings daran denken, dass sie alle eine Daseinsberechtigung haben und teilweise unter Naturschutz stehen. Maulwurfshügel mögen nur die wenigsten Gartenbesitzer auf ihrem Rasen oder in ihren Beeten haben. Der Maulwurf steht hierzulande allerdings bereits seit 1988 unter Naturschutz. Das Verjagen oder gar das Töten der kleinen schwarzen Bergarbeiter steht also unter hohen Strafen. Auch Wespen stören ein sommerliches Picknick und können durchaus gefährlich werden, wenn sie auf Löffeln mit süßem Kuchen landen, in Flaschen schwimmen oder einfach auf der Wiese sitzend übersehen werden.

Eine Alternative dazu, die tierischen Mitbewohner komplett aus dem Garten zu verbannen kann es sein, Orte und Flächen zu schaffen, an denen sich die Tiere wohler fühlen und es ihnen an Sitzgelegenheiten zum Beispiel so ungemütlich wie möglich zu machen.
 

Hunde- und Katzenbesitzer sollten Fluchtmöglichkeiten schaffen

Eine Katze im naturnahen Garten. Wer Hunde und Katzen frei im Garten laufen lässt und Wildtiere zu sich einladen möchte, der sollte zuallererst an die Sicherheit denken. Das bedeutet, die Abstände zwischen den einzelnen Zaunslatten oder die Größe der Maschen sollte genau so klein sein, dass der eigene Hund im Garten bleibt, aber auch groß genug damit Igel, Kaninchen und Mäuschen den Weg aus dem Garten finden. Auch bei Vogelhäusern sollte man darauf bedacht sein, dass die Vögel sich gegenseitig aus dem Weg gehen können und der eigenen Katze nicht zum Opfer fallen. Das bedeutet, dass Futterhäuschen eben mehr als einen Eingang brauchen, der gleichzeitig noch als Ausgang fungieren muss.

Übrigens sollten die Tiere nicht nur vor anderen Tieren geschützt werden im Garten. Man kann auch grundsätzliche Gefahren, wie einen Pool zum Beispiel, entschärfen, indem man ein Brett oder ein einfach zu erreichendes Schwimmponton für Insekten und kleinere Tiere so hineinlegt, dass die Tiere sich noch selbst retten können.
 

Ein Gartenteich kann Chance und Gefahr für Wildtiere sein

Ein GartenteichEin Gartenteich kann richtig angelegt natürlich ein Paradies für Frösche, Lurche, Libellen und andere Tiere sein. Frösche sind im Frühjahr zwar laut, aber dafür danken Sie es mit der niedlichen Kinderstube im Teich, die für jung und alt sicherlich interessant in ihrer Entwicklung zu beobachten sein wird.

Sind die Ränder des Teiches allerdings zu stark abfallend, kann er auch zur Todesfalle werden. Wer einen ökologisch sinnvollen Teich anlegen möchte, der findet zum Beispiel bei Organisationen, wie dem NABU verschiedene Tipps rund um einen ökologischen Teich. Je näher der Teich an heimischen Teichen und mit lokalen Gewächsen bestückt ist, umso weniger Pflege braucht er übrigens auch. So kümmern sich Wasserlieschen und Schnecken irgendwann selbst um Algen. Wer auf exotische Pflanzen nicht verzichten möchte, der muss sich allerdings auch keine Sorgen machen, es wird die heimischen Tiere wenig bis gar nicht irritieren, wenn die Lilie in der falschen Farbe blüht.
 

Füttern ist nicht immer sinnvoll


Wer Wildtiere in seinem Garten haben will, der wird im ersten Moment daran denken, sie mit Futter zu locken. Das ist im Grunde eine gute Idee, kann im Winter auch das Überleben einiger Tiere wirklich sichern. Macht aber durchaus nicht immer Sinn. Was man auf keinen Fall tun sollte, ist einen Napf mit Futter aufstellen, wenn man noch kein Tier vorher gesehen hat. Gerade Katzenfutter kann durchaus auch ungebetene Gäste, wie Ratten, anlocken. Auch zu viel Futter für Vögel wird irgendwann Ratten und Mäuse anlocken. Die Nachbarn werden sich auch Bedanken, wenn deren Katze daheim nichts mehr isst, sondern das Futter, was wir eigentlich für die Igel rausgestellt haben.

Wer Tiere in seinem Garten beobachtet, der kann aber durchaus mal ein paar Körnchen für sie rausstellen. Welche Tierart was genau zu welcher Jahreszeit verträgt, findet sich meist im Netz irgendwo und im Zweifel können auch Wildtierauffangstationen oder Igelpflegeeltern befragt werden. Wasser geht übrigens immer und ein Wassermangel kann gerade in Trockenperioden durchaus zu einem viel größeren Problem für Wildtiere werden, als eine Periode mit zu wenig Futter. Gerade im Sommer lohnt es sich Vogeltränken aufzubauen oder auch Schüsselchen mit Wasser für Igel und Insekten aufzustellen.
 

Wildtierfreundliche Pflanzen Ein Schmetterling sitzt auf einer Blume

Im Grunde kann man mit heimischen Pflanzen und Gewächsen wenig falsch machen. Was auch hier im Wald wild wächst, das wird den Tieren auch im Garten nicht schaden. Ein Igel wird sehr dankbar sein, wenn Laubbäume im Herbst nicht ganz so gut gepflegt werden und irgendwo noch ein Strauch unbeschnitten und mit ein bisschen Laub auf dem Boden naturbelassen über den Winter zurück bleibt. Insekten freuen sich über Blumenwiesen und im Grunde alles, was irgendwie blüht, denn hier bekommen sie in Frühjahr und Sommer ihren Nektar her. Kurz geschorener Rasen bringt nur die wenigsten Wildtiere weiter in ihrem Alltag. Auch Hecken sollten zumindest in der Brutzeit nicht beschnitten werden. Dann klappt es vielleicht, dass sich darin ein Vogelnest beobachten lässt. Das entschädigt dann auch für die nicht ganz so perfekt geschnittene Hecke. Es muss nicht immer ein riesiges Insektenhotel sein. Viele Tiere sind gerade im städtischen Raum einfach schon zufrieden damit, wenn eine kleine Ecke im Garten in ihrem ursprünglichen, für unser Auge vielleicht etwas ungepflegten Zustand bleibt. Wenn Steine nicht akkurat übereinander gestapelt sind, sondern so liegen, dass noch etwas Platz für einen Unterschlupf zu finden ist. Wenn nicht alle Kanten im 90 Grad Winkel ausgeschnitten, sondern ein paar Halme gelassen sind, um zu blühen und vielleicht auch Schutz zu bieten. Oder wenn ein Ast und etwas Obst auf dem Boden verrotten darf und nicht sofort weggeräumt wird.
 

Hilfe aus dem Baumarkt oder dem Zoofachhandel


Natürlich haben sich auch Baumärkte und der Zoofachhandel auf ein größeres Naturbewusstsein eingestellt. Mittlerweile gibt es längst nicht nur mehr Futterhäuschen, Vogeltränken und Meisenknödel zu kaufen um Wildtiere zu füttern. Heimwerken müssen nur noch die wenigsten und ein Insektenhotel kann man auch komplett fertig kaufen. Wichtig dabei ist nur, dass man auch hier mit offenen Augen und etwas Verstand an die Sache geht. Denn nicht alles, was so verkauft wird, macht auch wirklich Sinn und ist für Wildtiere ungefährlich. Gerade bei Vogelfutter sollte man aufpassen, dass die Verpackungen so gestaltet sind, dass die Vögel nicht mit ihren Krallen drin hängen bleiben. Das bedeutet die typischen Meisenknödel mit ihrem Kunststoffnetz disqualifizieren sich quasi selbst. Auch Vogeltränken sind oft so konzipiert, dass massenhaft Insekten darin ertrinken. Das könnte man sich jetzt schön reden, indem man sagt, da finden die Vögel auch gleich Nahrung, aber die meisten Vögel bevorzugen die Insekten lebend und nehmen diese aus der Tränke gar nicht. Das verursacht also nur einen hohen Pflegeaufwand und in Zeiten von Bienensterben tatsächlich unnötige Opfer, die die Natur dringend lebend gebraucht hätte. Welche Dinge hier wirklich Sinn machen, aktualisieren Organisationen, wie zum Beispiel der Landesbund für Vogelschutz regelmäßig neu und an diese Empfehlungen kann man sich guten Gewissens halten.
 

Tierfreie Zonen schaffen


Tierfreie Zonen kann man sich schaffen, indem man zum Beispiel Zäune um Beete zieht oder gewisse Reize an Orten schafft, an denen keine Insekten erwünscht sind. Wir alle kennen wohl mittlerweile die berühmte Butterbrottüte als Hornissen-Nest-Attrappe, die Bienen und Wespen abhalten soll. Auch Minze, Zitrone gespickt mit Nelke und ähnliche Aromen haben eine eher abschreckende Wirkung auf verschiedene Insekten. Solche natürlichen Mittelchen in Zusammenhang mit natürlichen Zonen für Wildtiere im Garten, schaffen allen Entspannung. Denn wenn wir nur von einem Sitzplatz verjagt werden und auf der anderen Seite nicht wissen wohin, werden wir auch in der Nähe nach einer Alternative suchen. Die Rückzugsorte für Wildtiere, egal ob Insekten oder Kleintiere, werden immer seltener und rarer. Da ist es nicht verwunderlich, dass der Waschbär uns demnächst beim Kaffee auf der Terrasse auf dem Schoß sitzt und die Käfer auf dem Tisch immer mehr werden. Zumindest im eigenen Garten lässt sich das Problem beheben und wenn es ein kleiner Streifen hinter dem Gewächshaus ist, der mit Wildblumen bepflanzt und in Ruhe gelassen wird. Auch das ist ein Anfang.


Die Autorin.
Jenny Manegold ist Mama, aktive Tierschützerin und hat zwei Katzen und drei große Hunde.
Sie betreibt einen eigenen Blog ( www.waumama.de ) und wenn es ihre Zeit zulässt schreibt sie außerdem für den Hunde- und Katzen-Blog auf www.geliebtes-tier.de
Jenny Manegold
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