Whisker Stress: Wenn Schnurrhaare zur Belastung werden

Hat diese Katze Whisker Stress?Vor einiger Zeit habe ich etwas über "Whisker Stress" gelesen und mich gefragt, was man sich da hat wieder einmal einfallen lassen. Doch bei genauerer Betrachtung wird bei diesem Phänomen über die Sensibilität der Schnurrhaare gesprochen. Katzenhalter wissen zumeist, dass diese Tasthaare enorm wichtig für ihr Tier sind. Viele Katzen mögen es auch gar nicht, wenn sie dort berührt werden. Andere hingegen scheinen nahezu unempfindlich zu sein. Es ist also vermutlich auch ein individuelles Problem, welches nicht jede Katze betrifft. Ich habe eine Katze, einen zauberhaften Siammix, die sehr unempfindlich damit umgeht. Ich bekomme ihre Schnurrhaare ständig in Mund, Nase oder Ohren gesteckt, ganz ohne Rücksicht auf Verluste. Es scheint sogar fast so, als ob die Katze es lustig findet, wenn sie mich kitzelt. Ich hatte allerdings auch einmal einen großen, schwarzen Kater, der es gar nicht mochte, wenn man auch nur in die Nähe der Schnurrhaare kam.
 

Allerdings habe ich diese Eigenheiten bisher einfach als gegeben hingenommen und wohl intuitiv alles richtig gemacht. Aber dieser " Whisker Stress" kann tatsächlich ein Problem werden. Deshalb habe ich mich einmal etwas genauer damit beschäftigt.

 

Von dem Stress, Schnurrbarthaare zu haben

Katzen haben eine Menge dieser feinen Antennen. Nicht nur rund um Maul und Nase sitzen zwischen acht und zwölf Paare davon. Sondern auch über den Augen, am Kinn und an den Beinen finden sich diese kleinen Tasthaare. Sie sind quasi das Navi für eine Katze und sorgen dafür, dass die Tiere sich selbst bei absoluter Dunkelheit zurechtfinden. Deshalb ist Blindheit für die meisten Katzen kaum ein Problem, da sie sich einfach auf ihre Schnurrhaare verlassen. Stoßen die Schnurrhaare irgendwo an, wird eine Meldung an das Gehirn geschickt. Dieser Reiz alarmiert das Tier. Warum allerdings manche Katzen auf diese Reize sensibler reagieren als andere , ist bisher nicht geklärt. Trotzdem sollte man als menschlicher Partner dafür sorgen, dass die Tiere möglichst wenig von diesem Reizen ausgesetzt sind. Denn während Freigänger darauf angewiesen sind, auf alle Gefahren hingewiesen zu werden, kann es für Wohnungskatzen ziemlich nervig sein, wenn ständige Meldungen das Gehirn verwirren.
 

Selbst ein kleiner Luftzug wird schon übermittelt, da die Schnurrhaare unglaublich sensibel sind. Dies sollte sich jeder Katzenhalter immer bewusst machen.

 

Wie man unnötige Belastungen der Schnurrhaare vermeidet

Es versteht sich von selbst, dass jeder Mensch respektieren sollte, dass die Katze nicht unnötig an den Schnurrhaaren berührt wird. Meist sorgen die Tiere selbst schon dafür, da es heftige Unmutsbekundungen nach sich zieht, wenn Kinder oder gar Erwachsene ständig an die Schnurrhaare gehen.
 

Doch auch Möbel und Fressgeschirr sollten etwas angepasst werden. Futterschalen für Katzen dürfen nicht zu eng geschnitten sein. Wenn die Schnurrhaare ständig mit einem Schalenrand in Berührung kommen, vergeht einigen Katzen sogar der Appetit. Flache und breite Schalen sind für Futter deshalb die bessere Wahl. Ich selbst habe mich für handelsübliche Blumenuntersetzer entschieden, da meine Katzen damit am besten zurechtkommen. Zudem können diese Schalen sehr gut abgekocht werden und lassen sich preiswert ersetzen. Wenn die Katze ihr Futter also immer aus dem Napf angelt, dann könnte der Grund daran liegen, dass sie es nicht mag , mit den Schnurrhaaren irgendwo anzustoßen. Teilweise kann man diese Eigenart sogar beobachten, wenn es um Wasser geht. Die Katze nimmt die Pfote und taucht sie in das Wasser ein und leckt die Flüssigkeit dann ab. Hier sollte unbedingt ein größerer und weiterer Napf angeboten werden. Bleibt die Eigenart, kann es sich einfach auch nur um eine kleine Schrulle der Katze handeln. Meine besagte Siamkatze liebt es, mit Wasser zu spielen und würde selbst in einer Badewanne ihre Pfoten benutzen, um an das Wasser zu gelangen.

 

Genügend Platz in der Wohnung ist ebenfalls stressärmer für die Katze. Wenn die Miez nämlich ständig irgendwo mit den Schnurrhaaren anstößt, wird sie sich bald kaum noch bewegen. Etwas Freiraum in der Mitte von jedem Zimmer ist deshalb nicht nur für den Menschen, sondern auch für die Katze sehr angenehm. Enge Ecken und Co. dürfen zwar auch sein und manche Katzen lieben es, sich darin herumzudrücken, aber dies sollte halt kein Zustand sein, der in der ganzen Wohnung zu finden ist.

 

Ansonsten lässt sich sagen, dass Whisker Stress für mich etwas überbewertet wird. Man kann aus jedem Thema ein kleines Drama machen. Verantwortungsvolle Tierhalter reagieren auf Unmutsbekundungen ihrer Vierbeiner sowieso, sodass keine großen Probleme zu erwarten sind.


Die Autorin.
Mela Stephan hat selbst 4 Katzen und einen Hund und betreibt eine private Katzen-Nothilfe.
Außerdem ist sie Autorin im Hunde- und Katzen-Blog auf www.geliebtes-tier.de
Mela Stephan - Autorin beim Hunde- und Katzen-Blog auf www.geliebtes-tier.de
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