29. Oktober 2018 - Streunerkatzen helfen - das können Sie tun!

Es wird Herbst. Die Nächte werden kälter, die Tage sind teilweise sehr nass. Unsere Stubentiger liegen jetzt viel öfter, als noch im Sommer mit uns drinnen auf der Couch, sitzen vorm Kamin oder warten im warmen Bett darauf, dass Herrchen und Frauchen abends dazu gekuschelt kommen. Vielleicht hat die ein oder andere Samtpfote etwas mehr Hunger, weil sie durch die kühlen Temperaturen einfach mehr Energie verbrennt. Wir lassen sie Schlemmen und gönnen ihnen die Extraportion.

Leider ist die Herbst- und Winterzeit nicht für alle eine so gemütliche und bequeme Zeit. Für Streunerkatzen beginnt eine harte Zeit mit vielen Entbehrungen und teilweise lebensgefährlichen Alltagsumständen. Im Sommer können die Katzen noch Energie in der Sonne tanken und dort auch zu trocknen. Diese Zeiten sind jetzt leider vorbei. Sie haben es schwer, ein warmes und trockenes Plätzchen zu finden. Oft fehlt ihnen jede Möglichkeit sich und ihr Fell irgendwo vernünftig zu trocknen. Die Futtersuche wird immer beschwerlicher. Um den Streunerkatzen in unserer Umgebung durch diese schwere Zeit zu helfen, können wir einiges tun:
 

Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht


Die einfachste Lösung wäre es, die Katze mit nach drinnen zu nehmen, ihr ein warmes Kettchen fertig zu machen und sie zu füttern. Das klappt allerdings bei einer waren Streunerkatze nur selten. Viele Streunerkatzen wissen einen warmen Platz vorm Kamin nicht zu schätzen. Sie haben Angst, wollen nicht drinnen leben und vermissen ihre Freiheit. Sie wollen sich nicht streicheln lassen und können mit der Nähe von Menschen nichts anfangen. Diese Situationen führen oft zu enttäuschten Rettern und gestressten Katzen. Nicht jede freilegende Katze ist eine Hauskatze. Gerade in ländlichen Gebieten kann es durchaus sein, dass man mal auf eine echte Wildkatze oder auch Waldkatze trifft. Die sehen aus wie eine grau gestromte Katze mit Gelbstich, sind aber meist um einiges muskulöser und größer als unsere Hauskatze. Trifft man auf ein solches Exemplar, sollte man sie einfach in Ruhe lassen. Die helfen sich über den Winter meist selbst.

Bei Streunerkatzen handelt es sich meist um Europäische Kurzhaar Katzen, die irgendwann einmal im Haus gelebt haben oder deren Eltern einmal in Haus oder Hof gelebt haben. Aber Vorsicht, nicht jede Streunerkatze hat auch zwingend gar kein Zuhause. Sind die Katzen auffallend zutraulich, haben ein Halsband oder eine Tätowierung, dann sollte man versuchen sie zu sichern und sie einem Tierarzt vorstellen, damit er einen Chip auslesen und prüfen kann, ob die Katze registriert ist. Dann sollte die Katze weder mit nach Hause genommen, noch vor Ort gefüttert werden. In diesem Fall kann man die Besitzer benachrichtigen und meist holen sie ihre Katze dann nach Hause. Handelt es sich um "echte Streuner", kann man ihnen am besten vor Ort helfen.
 

Unterschlupf anbieten


Das wichtigste ist wohl ein trockenes Dach überm Kopf. Um den Katzen gerade nachts das Leben zu erleichtern, kann man ihnen einen Unterschlupf, zum trockenen und frostfreien Schlafen anbieten.
Ein Unterschlupf für eine Streunerkatze muss nicht immer aufwändig teuer sein. Es reicht auch manchmal schon den Schuppen offen zu lassen und dort etwas erhöht ein paar Decken zu platzieren. Wer drinnen keine Möglichkeit hat, kann auf ein Haus aus Styroporboxen oder eine kleine isolierte Holzhütte zurückgreifen. Styroporkisten sind übrigens von jedem Barfer (Menschen, die ihre Hunde und Katzen roh füttern) zu bekommen. Denn das Fleisch wird von Onlinehändlern tief gefroren in eben solchen geliefert. Es lohnt sich also im Freundeskreis nachzufragen.
Katzen sind fast genauso dankbar über etwas Stroh oder Heu in ihrer Behausung, wie über eine alte Decke oder Handtücher. Wer solch einen Unterschlupf zur Verfügung stellt, der sollte ab und an schauen, ob die Decken oder das Stroh auch noch trocken sind und sie gegebenenfalls. Denn nur dann macht die Mühe wirklich Sinn. Nehmen die Katzen den Unterschlupf nicht gleich an, dann kann mit etwas Futter nachgeholfen werden.
 

Zufüttern


Der berühmt berüchtigte Winterspeck kommt nicht von ungefähr. Das betrifft auch Streunerkatzen. Im Winter verbrauchen nahezu alle Säugetiere mehr Energie als im Sommer. Zusätzlich dazu, verbraucht auch die Futtersuche noch einmal Energie. Fettreserven müssen verbrannt werden, um die Körpertemperatur zu erhalten. Das macht einigen Katzen sehr zu schaffen. Hungrig möchte wohl keiner bleiben. Dabei ist das Problem ganz einfach von Menschenhand zu beheben. Aber Vorsicht, das Anfüttern von Katzen kann sehr schnell dazu führen, dass auch andere Katzen kommen und der betreffenden Streunerkatze ihr Revier streitig machen wollen. Es sollte auch mit Nachbarn abgesprochen werden, ob dies gewollt oder geduldet ist. Kommen nämlich immer mehr Katzen zur selbstgerechten Futterstelle, kann das durchaus auch Ärger geben.

Die beste Möglichkeit die Katzen mit allem zu versorgen, ist Nassfutter. Das Problem hieran ist, dass gerade Streunerkatzen auch mal ein oder zwei Tage nicht zur Futterstelle kommen und dies dann vielleicht gefroren oder verdorben ist. Die regelmäßige Kontrolle erfordert wesentlich mehr Aufwand, als die Alternativen. Wer Trockenfutter geben möchte, der sollte darauf achten, dass auch genügend Wasser an einer frostfreien Stelle zur Verfügung steht. Das macht übrigens nicht nur im Winter Sinn, wenn alles gefroren ist, sondern auch im Sommer, wenn die Katzen aufgrund der Trockenheit nicht mehr an genügend Flüssigkeit kommen.
 

Fallen aufstellen


Das klingt im ersten Moment vielleicht grausam. Aber es gibt Situationen in denen kann man den Streunerkatzen einfach nicht anders helfen. Das kann daran liegen, dass sie krank sind und eine Behandlung brauchen oder weil sie einfach nicht an dem Ort, an dem sie sich aufhalten bleiben können. Auch für Kastrationsaktionen müssen die Katzen kurzzeitig eingefangen werden. Hat man sie einmal eingefangen, hat das den positiven Nebeneffekt, dass die Katze auch gleich einmal grob untersucht werden kann. Es kann aber durchaus auch sein, dass sich Nachbarn einfach gestört fühlen und die Katzen dann auf einen Bauernhof oder ähnliches umgesiedelt werden müssen. Manchmal geht es einfach nicht anders. Solche Entscheidungen werden dann im Sinne von Katzen und Anwohnern getroffen.

Viele Katzen lassen sich mit einem beherzten Griff beim Füttern sichern. Tierschützer und Tierheime haben zur Not auch Lebendfallen, mit deren Hilfe sie die Katzen ohne Gefahr einfangen können. Die Katzen werden dann angefüttert um ihr Vertrauen zu gewinnen und dann in die Fallen gelockt. Nur so ist es möglich, sie medizinisch zu behandeln oder umzusiedeln.
 

Weiteres Tierleid vermeiden mit Kastrationen


Das ist übrigens sowohl im Auslandstierschutz, als auch im Inlandstierschutz das A und O. Denn nur so kann nachhaltig geholfen werden. Anders ist die Katzenpopulation auch nicht in den Griff zu bekommen. Katzen vermehren sich unglaublich schnell. Sie sind mit nicht mal einem Jahr fruchtbar und bringen zwei bis fünf Kitten zur Welt. Das würde bedeuten, man hätte nach zwei Jahren von dieser einen Katze im schlimmsten Fall schon 25 Nachkommen, wenn man davon ausgeht, das alle Mädchen sind und jeweils 5 Kitten bekommen. Um das zu verhindern hilft nur eins: eine Kastration. Und das sowohl bei Katzen, als auch bei Katern. Um das umzusetzen, muss man auch Streunerkatzen zumindest einmal kurzfristig einfangen und sie operieren. Die Kosten und die Arbeit übernehmen hier teilweise die Bundesländer, Städte und Gemeinden - teilweise aber auch Vereine und deren Spender. Es lohnt sich also, sich zu informieren um dem Leid langfristig ein Ende zu setzen.

Die Katzen, die von Tierschutzvereinen eingefangen und kastriert werden, müssen übrigens nicht zwingend ihr weiteres Dasein im Tierheim fristen. Wenn keine großen Straßen oder andere Gefahren im Umfeld sind und sich jemand bereit erklärt ein Auge auf die Katze zu haben, sie zu füttern und sich zu kümmern, wenn sie krank werden sollte, dann ist es auch möglich, die Tiere wieder an dem Ort auszusetzen, an dem sie eingefangen worden sind.
 

Im Winter regelmäßig Garagen und Gartenlauben überprüfen


Katzen suchen sich im Winter einen Unterschlupf. Das kann ihnen manchmal zum Verhängnis werden. Denn gerade im Winter sind Gartenlauben und Fahrradschuppen nicht so oft in Benutzung. Es kommt nicht selten vor, dass Streunerkatzen oder auch Katzen, die eigentlich ein Zuhause haben, in Gartenanlagen oder Kellern feststecken. Deshalb sollte man sehr aufmerksam sein, wenn man diese verschließt. Zu empfehlen ist auch, ab und an mal nach dem rechten zu sehen. Katzen verstecken sich vielleicht im ersten Moment noch, weil sie erschrocken sind oder Angst haben. Sie melden sich aber meist irgendwann aus Verzweiflung, wenn sie wirklich eingesperrt wurden.
 

Streunerkatzen bewusst aufnehmen


Tierheime und auch Tierschutzvereine starten oft Aufrufe, um Streunerkatzen nach Kastration und tierärztlicher Untersuchung zu vermitteln. Das kann an Bauernhöfe sein, an Katzenhalter, die bereit sind, die Katzen draußen zu halten oder auch an Vereine und Unternehmen, die Mäusefänger suchen und dafür im Gegenzug ein warmes Plätzchen und regelmäßiges Futter bieten. Wer damit leben kann, dass die Katze nicht mit drinnen auf dem Sofa kuschelt, sondern sich vielleicht nur streicheln lässt, wenn sie Lust dazu hat, der kann überlegen, ob er eine dieser raren Stellen sein möchte und einer Streunerkatze ein "Zuhause" bieten kann. Manchmal kommen die aus Dankbarkeit und guter Erfahrung irgendwann tatsächlich rein, lassen sich anfassen und hören auf ihren Namen. Das kann natürlich keiner garantieren, aber man wird sich umso mehr freuen, wenn die Katze, die man täglich füttert einem irgendwann mit ihrem Vertrauen belohnt.


Die Autorin.
Steffi Kurzhat selbst zwei Katzen, zwei Kaninchen und einen Hund.
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Steffi Kurz
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