19. April 2019 - Leinenführigkeit versus Fuß laufen

Eine Frau geht mit ihrem Hund gassi. Bei der Anschaffung eines Hundes träumen wohl die meisten davon mit ihm durch Wald- und Flur zu ziehen, in Cafes zu sitzen, während der Vierbeiner auf dem Boden liegend auf uns wartet und einfach mal durch einen Park zu laufen ohne das an der Leine gezogen oder gezerrt wird. Gerade wenn der Hund aus dem Tierschutz stammt und sich nicht mehr im Welpenalter befindet, kann bis dahin ein ganzes Stück Arbeit vor den Haltern liegen. Die Tipps um diesen alltagstauglichen Hund zu bekommen, sind vielfältig und teilweise mehr oder weniger sinnvoll. Hier einmal ein paar Denkansätze zum Thema:
 

Die Rasse und Mentalität des Hundes


Nicht jeder Hund ist für lange leinenlose Spaziergänge im Wald oder ein Leben in der Stadt geeignet. Das kann zum einen Gründe haben, wie die Rasse und das Temperament des Hundes, zum anderen aber auch in dessen Prägung und Vergangenheit liegen. So liegt es in vielen Hunderassen tief verankert, dass die Hunde nun mal gerne jagen gehen. Natürlich kann man ja nach Temperament des Hundes auch einem Dackel, Jack Russel, einem Windhund oder einem Deutsch Drahthaar beibringen, dass im Wald beim Herrchen geblieben wird und es weniger Spaß macht Wild zu hetzen. Aber viele Herrchen und Frauchen müssen sich gerade bei sehr jagdambitionierten Rassen entweder damit abfinden, dass die Hunde in stark von Wild besetzten Gebieten an der Leine bleiben oder eben hart dafür arbeiten, dass es auch ohne Leine geht. Das selbe gilt für die Stressresistenz. Viele Rassen und deren gut geprägte Welpen kommen mit einem Leben in der Stadt super zurecht. Einige sind weniger stressresistent, weil sie die Lautstärke und die Enge einfach nicht kennen. Auch einen Herdenschutzhund wird man nur mit viel Mühe davon überzeugen an der Leine über den vollen Alexanderplatz zu laufen.
 

Leinenführig oder im Fuß


Es ist tatsächlich ein Unterschied, ob man seinen Hund an lockerer Leine laufen lässt oder möchte, dass er im Gehorsam "bei Fuß" läuft. Bei ersterem möchte man erreichen, dass der Hund ohne zu ziehen an der Leine läuft. Dabei wollen beide entspannen und es ist auch erlaubt mal rechts oder links zu schnüffeln. Das Kommando "Bei Fuß" bedeutet, dass das Herrchen die volle Aufmerksamkeit des Hundes hat und der Hund nah am Mann neben dem Herrchen läuft. Beides lässt sich auf unterschiedlichen Wegen erreichen. Denn gerade in der Hundeerziehung führen viele Wege nach Rom. Was allerdings absolut verheerend für ein gutes Ergebnis ist, ist fehlende Konsequenz und Kontinuierlichkeit.
 

Durchhaltevermögen in der Hundeerziehung


Gerade bei der Leinenführigkeit temperamentvoller Rassen, hört man oft verzweifelte Besitzer, sie hätten im letzten halben Jahr schon zehn verschiedene Wege und Methoden probiert. Genau da liegt das Problem. Denn bei Methoden, die zum Beispiel das Stehenbleiben beinhalten, sobald der Hund an der Leine zieht, ist ein langer Atem gefragt. Jedes Mal, wenn Herrchen sich hinterher ziehen lässt, ist der bisherige Trainingserfolg wieder verloren. Denn der Hund hatte das Erfolgserlebnis, dass er mit Kraftanwendung dahin kommt, wo er gerne möchte. Dabei ist es dem Hund völlig egal, ob Frauchen oder Herrchen es einfach nur dieses Mal eilig hatten oder schon aufgegeben haben.

Das Kommando Fuß lernt sich übrigens am besten mit etwas super Hochwertigem für den Hund und vielen Richtungswechseln. Nur wenn Herrchen spannend bleibt und ab und an mal eine Belohnung rausrückt, bleibt der Hund auch motiviert mit voller Aufmerksamkeit neben ihm zu laufen. Dabei ist es egal, ob der Hund lieber Leckerchen mag oder eine Belohnung mit dem Ball viel mehr zu schätzen weiß. Auch das Wechseln des Tempos kann die Aufmerksamkeit des Hundes zurückholen, wenn er anfängt langsamer zu werden oder gelangweilt nebenher zu trotten. Sind Gehorsamkeitsprüfungen, wie die Begleithundeprüfung geplant macht es übrigens keinen Sinn, immer wieder das gleiche Schema zu laufen, sondern es sollte weiterhin darauf geachtet werden, dass man für den Hund unberechenbar bleibt. Denn nur dann wird er auch in der Prüfung mit Spannung und voller Aufmerksamkeit neben dem Herrchen herlaufen und nicht unmotiviert den bekannten Weg abspulen.


Ein Hundetrainer vor Ort, der sich das Mensch-Hund-Team von außen betrachtet und Tipps gibt oder auf Fehler hinweist, ist hierbei übrigens Gold wert. Hält man dann noch durch und übt regelmäßig, wird der entspannte Hund es mit Alltagstauglichkeit belohnen.


Die Autorin.
Jenny Manegold ist Mama, aktive Tierschützerin und hat zwei Katzen und drei große Hunde.
Sie betreibt einen eigenen Blog ( www.waumama.de ) und wenn es ihre Zeit zulässt schreibt sie außerdem für den tierischen Blog auf www.geliebtes-tier.de
Jenny Manegold
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