Epilepsie bei der Katze

Feuernde NeuronenDer Begriff Epilepsie ruft traumatische Bilder hervor: Schaum vor dem Mund, krampfartige Zuckungen der Beine, Bewusstlosigkeit. Die Erkrankung betrifft nicht nur Menschen. Auch bei einigen Katzen treten immer wieder Krampfanfälle auf.

 

Definition:

Häufig auftretende Krampfanfälle, die mit Bewusstseinsstörungen einhergehen, werden als Epilepsie bezeichnet.

 

Verlauf eines epileptischen Anfalls

Bei der Epilepsie werden zwei Typen von Anfällen unterschieden. Ein großer Anfall (Grand Mal) geht immer mit einem Verlust des Bewusstseins einher. Bei einem kleinen Anfall (Petit Mal) ist die Katze bei vollem Bewusstsein. Zwischen diesen beiden Formen existieren zahlreiche Abstufungen. Sie bleibt erstarrt stehen und schaut ins Nichts. Es treten nur leichte bis gar keine Krämpfe auf.

Die Anfälle laufen in drei Zyklen ab.
  1. Aura
    In der Vorbereitungsphase ist das Verhalten der Katze bereits verändert. Die Tiere ziehen sich zurück oder suchen die Nähe des Menschen. Eine Aufnahme von Futter und Wasser wird verweigert.

  2. Ilktus
    Beim Grand Mal fällt die Katze um. Alle Muskeln krampfen. Die Beine sind steif und führen rudernde Bewegungen aus. Die Katze wird bewusstlos. Speichel rinnt aus dem Mund, die Zunge hängt heraus. Eventuell tritt in dieser Phase Erbrechen auf. Kot und Harn wird unkontrolliert abgesetzt. Die Augen bewegen sich sehr schnell (Nystagmus), manchmal ist nur mehr der weiße Anteil des Augapfels zu sehen.

  3. Postiktale Phase
    Die Katze erlangt das Bewusstsein wieder. Sie beginnt sich zu erholen. Es dauert einige Minuten, bis wieder eine komplette Orientierung möglich ist. An diese Phase schließt sich eine längere Erholungs- und Schlafphase an.

  4.  

Wodurch wird Epilepsie verursacht?

Nur 20 % der Katzen leiden an einer genetischen (vererbten) Epilepsie. Bei den meisten Tieren tritt die Erkrankung erst im höheren Lebensalter durch verschiedene Ursachen auf.
Erkrankt die Katze in einem Lebensalter von ein bis sechs Jahren liegt die Ursache meistens in einer
  • Nekrose (Absterben) des Ammonshorns. Dieser Teil des Gehirns steuert das Verhalten. Sterben die Neuronen dieses Gebiets ab, treten epileptische Anfälle auf. Die Katzen werden aggressiv und zeigen ein stark verändertes Verhalten.
  • Entzündungen der Nerven können auch durch Virusinfektionen verursacht werden. FIP (Feline Infektiöse Peritonitis) und Leukose führen zu einer Entzündung der Nervenfasern. Durch die chronischen Veränderungen treten epileptische Anfälle auf.
  • Die Krampfanfälle können auch bei Stoffwechselerkrankungen auftreten. Eine Überfunktion der Schilddrüse führt zu einem Ungleichgewicht im Hormonstoffwechsel.
  • Ödeme (Flüssigkeitseinlagerungen) im Gehirn lösen ebenfalls epileptische Anfälle aus.
  • Durch eine Störung der Funktion von Leber und Niere sammeln sich vermehrt Stoffwechselendprodukte im Körper der Katze an. Diese verursachen eine chronische Vergiftung und epileptische Anfälle.
  • Vergiftungen mit Frostschutzmittel, Pflanzen (Philodendron), Insektiziden und Rattengift können ebenfalls Anfälle auslösen.
  • Bei Missbildungen der Gefäße im Gehirn und Tumoren ist die Versorgung der Gehirnzellen mit Sauerstoff und Nährstoffen gestört. Die Veränderungen des Gehirnstoffwechsels führen zu Krampfanfällen.
 

Wie reagiert das Gehirn bei einem Epilepsie-Anfall?

Im Normalzustand wird ein Teil der Neuronen gehemmt, der andere Teil ist aktiv und sendet elektrische Ladungen (Nervenimpulse) aus. Bei einem epileptischen Anfall liegt eine sehr starke Aktivität der Ganglien (Nervenknoten) vor. Ein Feuerwerk an Nervenreizen wird erzeugt. Während eines epileptischen Anfalls herrscht also ein „Gewitter im Gehirn“.
 

Welche Symptome treten bei Epilepsie auf?

Meistens zeigen die Katzen während eines Anfalls nur untypisches Verhalten. Sie springen ohne Grund in die Luft oder laufen orientierungslos durch die Wohnung. Die Pupillen sind stark erweitert. Ohrspitzen und Vibrissen (Schnurrhaare) zittern aufgrund der Erregung stark.
Bei einem Grand Mal kann die Katze ihre Umgebung nicht wahrnehmen. Die Beine rudern, Speichel rinnt aus dem Mund. In der Erholungsphase sind viele Tiere aggressiv. Störungen des Bewegungsablaufs und Einschränkungen des Sehvermögens können über mehrere Stunden anhalten.
Die Abstände der Anfälle können unterschiedlich groß sein. Treten mehrere epileptische Anfälle in zeitlich kurzen Abständen auf, spricht man auch von Cluster-Anfällen.
Bei einem Status Epilepticus erholt sich die Katze nicht, die Krämpfe dauern über einen sehr langen Zeitraum an. Werden diese Katzen nicht sofort von einem Tierarzt behandelt, kann der Tod durch Herz- und Kreislaufversagen eintreten.
 

Wie wird Epilepsie diagnostiziert?

Verletzungen und Gehirntumore können bei einer Computertomographie dargestellt werden. Bei einer Untersuchung der Gehirnflüssigkeit (Liquor) können virale und bakterielle Erreger oder Antikörper nachgewiesen werden.
Mit einem EEG (Elektroencephalogramm) kann das Zentrum der Epilepsie im Gehirn exakt lokalisiert werden. Bei einem Status Epilepticus wird mit Hilfe des EEGs bestimmt, wann die Katze aus der Narkose geweckt werden kann.
 

Wie kann Epilepsie therapiert werden?

Bei selten auftretenden Anfällen ist eine Therapie meistens nicht notwendig. Treten die Anfälle in kürzeren zeitlichen Abständen auf, können diese durch Antiepileptika, wie Phenobarbital oder Diazepam unterdrückt werden. Die Medikamente müssen lebenslang verabreicht werden, da eine Heilung nicht möglich ist. Als Nebenwirkung der Arzneimittel tritt häufig Müdigkeit auf.
Bei seltenen, leichten Anfällen kann eine homöopathische Therapie versucht werden. Carduus Marianus D6 und Lycopodium D6 unterstützen die Stoffwechselfunktion des Gehirns und der Leber. Sensible Tiere können auch mit Causticum D 30 behandelt werden. Cuprum C 30 verhindert bei regelmäßiger Verabreichung die Übererregung der Ganglienzellen.
 

Wie sollten Sie sich während eines Anfalls verhalten?

Um den Krampfanfall nicht zu verstärken, müssen laute Geräusche, Lichtblitze und grelles Licht vermieden werden. Sobald sich ein epileptischer Anfall durch Veränderungen des Verhaltens ankündigt, sollten Sie die Katze in einen ruhigen Raum bringen und auf den Boden setzen. Da Katzen während eines Anfalls unkontrolliert zubeißen können, sollten Sie diese nicht anfassen. Filmen Sie den Anfall und zeigen Sie das Video bei dem nächsten Besuch Ihrem Tierarzt. Mit Hilfe des Videos kann die Schwere der Erkrankung genauer bestimmt werden.
 

Sollten Sie Ihre Katze von einem Tierarzt untersuchen lassen?

Besteht der Verdacht auf Epilepsie, muss Ihre Katze von einem Tierarzt auf geeignete Medikamente eingestellt werden. Erfolgt keine Behandlung, gewöhnen sich die Nervenzellen des Gehirns an die höhere Aktivität während des epileptischen Anfalls. Bei jedem weiteren Anfall erfolgt eine stärkere Reaktion bis ein Status Epilepticus eintritt. Die Katze erlangt ihr Bewusstsein nicht wieder. Mit einer entsprechenden Behandlung stehen die Chancen gut, die Krampfanfälle zu unterdrücken und Ihrer Katze ein tiergerechtes und langes Leben zu ermöglichen.


Die Autorin:
Dr. med. vet. Andrea Triebl ist Tierärztin und hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. Seit August 2019 schreibt sie für den tierischen Blog auf www.geliebtes-tier.de
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Das Bild zeigt eine Cartoon-Schlange, die große Augen macht.

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