Anatomie - Das Skelettsystem der Katze

Das Bild zeigt eine Katze, die sich streckt. Kein Tier bewegt sich so geschmeidig wie eine Katze. Lautlose und elegante Bewegungen machen Katzen zu schnellen, guten Jägern, die von ihrer Beute meistens erst zu spät wahrgenommen werden. Das Skelett ist sehr stabil. Trotzdem ist es elastisch und leicht. Es erlaubt der Katze, sich besonders wendig zu bewegen. Aber warum sind Katzen so beweglich?

 

Aufbau der Knochen

Die Knochen bestehen im Inneren aus verkalkten Strängen aus Knochenzellen. Die Hohlräume zwischen den Streben sind mit Knochenmark gefüllt. Gegen die Muskulatur ist der Knochen durch eine Rindenschicht aus verkalkten Knochenzellen abgegrenzt. Die Blutversorgung der Knochen erfolgt über das Periost (Beinhaut). Dieses Gewebe überzieht die Außenseite des Knochens. Es ist reichlich mit Nervenfasern und kleinen Blutgefäßen durchzogen. Das Innere der Knochen wird über kleine Öffnungen mit Blut versorgt. Da die Knochen der Katze besonders leicht sind, können die Tiere gut laufen und springen. Das Wachstum des Skeletts wird über verschiedene Hormone, Wachstums- und Geschlechtshormone, gesteuert. Werden Katzen zu früh kastriert, produziert ihr Körper keine Geschlechtshormone mehr. Das Gleichgewicht ist gestört, die Beine wachsen stärker in die Länge als bei später kastrierten Katzen.

 

Das Skelett

Das Skelettsystem einer Katze besteht aus 240 Knochen, das sind 40 Knochen mehr als bei Menschen. Zum Knochengerüst gehören der Kopf, die Wirbel, Rippen, Knochen der Extremitäten und das Becken.
 

1. Kopf

Der Kopf der Katze besteht aus dem Schädelknochen mit dem Oberkiefer und dem beweglichen Unterkiefer. Nach der Geburt wachsen die 29 Schädelknochen, die noch durch Fasern verbunden sind, rasch zusammen. Die Schädelhöhle schützt das Gehirn vor Stößen und anderen Beschädigungen. Die Augäpfel liegen in den Augenhöhlen. Sie sind über den Sehnerv mit dem Gehirn verbunden. Oberkiefer und Unterkiefer sind durch ein Gelenk miteinander verbunden. In den Zahnfächern der Kieferknochen sitzen die Zähne der Katze. Diese sind mit Fasern aus Bindegewebe, dem Zahnhalteapparat, mit dem Knochen verbunden. Das Milchgebiss der Katze besteht aus 26 Zähnen. Im Alter von sechs bis neun Monaten fallen die Milchzähne aus, 30 bleibende Zähne bilden das ständige Gebiss. Die Zähne werden von der Katze als Survival-Tool eingesetzt. Sie dienen dem Festhalten der Beute. Beim Fressen kann die Katze mühelos Fleischfasern von den Knochen des Beutetiers nagen. Verfilzungen des Fells werden mit den Schneidezähnen entfernt. Bei Revierkämpfen stellen die Fangzähne eine wirksame Verteidigungswaffe dar.
 

2. Wirbelsäule

Der Kopf ist über den ersten Halswirbel mit der Wirbelsäule verbunden. Die Wirbelsäule besteht aus sieben Halswirbeln, 13 Brustwirbeln, sieben Lendenwirbeln und 20 bis 23 Schwanzwirbeln. Die drei Kreuzwirbel wachsen in den ersten Lebensjahren zum Kreuzbein zusammen. Jeder Wirbel besitzt einen Körper, einen Bogen, Seiten- und Dornfortsätze. Die Bögen der einzelnen Wirbel bilden einen Hohlraum, den Wirbelkanal, ind den das Rückenmark eingebettet ist. Die Nervenwurzeoln treten seitlich aus großen Öffnungen aus. Von heir zweigen die Nerven ab, um die Extremitäten oder innere Organe zu versorgen. Die Halswirbel sind gut drehbar und beweglich. Dadurch kann der Kopf auch gleichzeitig nach rückwärts und oben bewegt werden. Die enorme Beweglichkeit des Halses erweitert das Gesichtsfeld der Katze.
Da die einzelnen Wirbel vor allem durch Muskelstränge verbunden sind, ist die Wirbelsäule der Katze maximal beweglich. Die Flexibilität wird nicht durch starre Bänder, die die Wirbelkörper in ihrer Position halten, eingeschränkt.
Die Schwanzwirbel werden mit der Schwanzmuskulatur zur Balance eingesetzt. Wie mit einem Ruder kann die Katze ihre Körperhaltung und die Richtung des Sprunges in der Luft korrigieren. Die Lendenwirbel werden von der Katze bei einem Sturz als Drehpunkt genutzt. Zuerst wird der Kopf, anschließend der Vorderkörper und am Schluss der hintere Körper gedreht. So landet die Katze bei einem Sturz aus größerer Höhe immer auf den Pfoten. Der Schwanz verlangsamt den Sturz, die Beine federn die Wucht des Aufpralls zum Teil ab.
 

3. Extremitäten

Die Schulterblätter der Vorderbeine sind mit der Wirbelsäule über Muskeln und Bänder verbunden. Das Schlüsselbein ist nur mehr ein kleiner Knochen, der in einen Muskel eingebettet ist. Es erfüllt keine Funktion mehr. Da das starre Schlüsselbein wegfällt, ist der Brustkorb der Katze sehr schmal gebaut. 13 elastische Rippenpaare schützen die Organe im Inneren des Brustkorbs. Die Tiere können sich durch enge Spalten durchwinden. Die maximale Beweglichkeit wird von der Katze genutzt, ihre Vorliebe, sich in sehr kleine Kartons zu zwängen, auszuleben.
Die Hinterbeine der Katze sind über den Kopf des Oberschenkelknochens mit der Pfanne (Acetabulum) des Beckens verbunden. Das Gelenk ermöglicht eine gute Beweglichkeit nach vorne und hinten. Die seitliche Bewegung wird durch Bänder eingeschränkt.
Katzen sind Zehengänger. Sie laufen auf den Zehenspitzen. Die Sohlen der Extremitäten berühren den Boden nicht. Diese Form der Fortbewegung ermöglicht der Katze eine lautlose Annäherung an ein Beutetier. Bei der Jagd kann die Katze eine Spitzengeschwindigkeit von 48 Kilometer pro Stunde erreichen. Mit zielgerichteten Sprüngen legt sie eine Distanz, die das sechsfache ihrer eigenen Körperlänge beträgt zurück. Die Muskeln erhitzen sich schnell während des Laufens. Daher ist die Katze kein Langstreckenläufer. Lieber lauert sie auf ihre Beute und erlegt diese mit einem gezielten Sprung. Die Koordination von 500 Muskeln ermöglicht es der Katze, sich extrem langsam an die Beute anzupirschen. Die Bewegungen werden so langsam ausgeführt, dass sie von dem Beutetier kaum wahrgenommen werden können. Mit ihren hohen und kräftigen Beinen kann sich die Katze aber nicht nur fortbewegen. Sie kann genaue feinmotorische Bewegungen, wie das Greifen nach Beutetieren, durchführen und Futterbrocken in den Mund führen.
An der Spitze der Zehen befinden sich die Krallen. Um die Fortbewegung der Katze nicht zu stören, werden diese normalerweise durch starke, elastische Bänder in die Krallentaschen zurückgezogen. Erfolgt ein Angriff, wird das letzte Zehenglied durch eine starke Sehne nach unten gedrückt. Die Krallen treten aus den Krallentaschen hervor.



Die Muskulatur der Katze
Katzen können ausgezeichnet laufen, springen und klettern. Hauskatzen erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 48 Kilometer pro Stunde. Großkatzen in der Savanne können sogar über 100 Kilometer Spitzengeschwindigkeit pro Stunde erreichen. Das Zusammenspiel von 500 Muskelgruppen ist perfekt darauf ausgerichtet, den Körper der Katze schnelle und flexible Bewegungen ausführen zu lassen. Vor allem die Muskualtur des hinteren Rückens und der Hinterextremitäten ist besonders stark entwickelt. Die längeren Hinterbeine ermöglichen es der Katze, sich kraftvoll abzustossen. Hohe und weite Sprünge können durchgeführt werden. Das Überwinden von Hindernissen mit einer Höhe von zwei Metern stellt für die meisten Katzen kein Problem dar. Während die Katze läuft, wechselt sie immer wieder zwischen einem Kreuzgang und einem Passgang. Während des Kreuzgangs berühren das linke Vorderbein und das rechte Hinterbein den Boden. Die anderen beiden Beine werden vorwärts geführt. Der Bewegungsablauf wird abwechselnd rechts und lins ausgeführt. Beim Passgang werden das Vorderbein und das Hinterbein derselben Seite gleichzeitig nach vorne geführt. Abhängig von der Geschwindigkeit wird die Fortbewgung der Katze als Schritt, Trab oder Galopp bezeichnet. Alle Gangformen können ineinander übergehen.



Wie können Muskeln und Knochen der Katze gesund erhalten werden?

Um Abnützungen (Degenrationen) und Verformungen der Knochen und Gelenke zu vermeiden, ist es wichtig, der Katze ein tiergerechtes Leben zu ermöglichen. Artgerechtes Futter mit einem hohen Eiweißgehalt und ohne Kohlenhydrate sorgt für eine gute Versorgung mit Nährstoffen. Erhalten die Katzen keinen Freigang, müssen sie auch in der Wohnung mit Jagdspielen beschäftigt werden. Ständiges Training der Muskulatur erhöht die Beweglichkeit und die Ausdauer der Katze. Mit zunehmendem Alter nimmt die Gelenkigkeit einer Katze immer mehr ab. Die Gelenke schmerzen, die Bewegungen werden langsamer. Um die altersbedingten Gelenksabnützungen hinauszuzögern, können Präparate mit Glucosamin, Knorpelextrakte oder Grünlippenmuschel unter das Futter gemischt werden. Das Wachstum der Knorpelzellen und die Versorgung des Gelenkknorpels mit Nährstoffen wird verbessert. Durch eiweißhaltiges Futter ohne Zucker wird Übergewicht vermieden. Die Gelenke werden nicht durch zu hohes Gewicht belastet.



Was tun bei Verletzungen der Knochen und Muskeln?

Auch die geschicktesten Bewegungakrobaten können sich verletzung. Bricht der Knochen eines Beines nimmt die Katze eine Schonhaltung ein und tritt nicht mehr auf. Sind die Knochenteile nicht stark gegeneinander verschoben, heilen die Brüche bei den Katzen in kürzerer Zeit als bei Menschen. Häufig ist als Behandlung eine Fixierung mit einer festen Schiene und einem Verband ausreichend. Sind die Knochenteile stark verschoben, müssen diese während einer Operation eingerichtet und mit Schrauben oder Platten fixiert werden. Zerrungen und Verstauchungen können durch Einschränkung der bewegung ausgeheilt werden. Zusätzlich benötigen die Katzen ein Schmerzmittel. Bei Fensterstürzen landen die Tiere normalerweise auf den Pfoten. Durch die Wucht des Aufpralls kann aber die Wirbelsäule beschädigt werden. Durchtrennungen des Rückenmarks sind keine Seltenheit. Prallt die Katze mit dem Kiefer auf dem Boden auf, kann sich der harte Gaumen in zwei Teile spalten. Das aufgenommene Futter gelangt auch in die Nase und verursacht Entzündungen und Atemprobleme. Bei einer Operation wird die Gaumenspalte wieder verschlossen.
Vermeiden Katzen mit zunehmendem Alter weite Sprünge und hohe Liegeplätze, leiden sie häufig unter einer Abnutzung der Gelenke. Durch die Verabreichung von Schmerzmitteln erlangen diese Katzen wieder ihre volle Beweglichkeit.




Die Autorin:
Dr. med. vet. Andrea Triebl ist Tierärztin und hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. Seit August 2019 schreibt sie für den tierischen Blog auf www.geliebtes-tier.de
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